Seit dem 10 Januar 2012 wird die neunte Staffel von Two and a half Men ausgestrahlt. Allerdings hat sich einiges geändert. Ashton Kutcher übernimmt nun die Hauptrolle. Er spielt Walden Schmidt, einen verschrobenen Milliardär, der sich weigert erwachsen zu werden. Auch die Rolle des Alan Harper, gespielt von Jon Cryer, rückt in den Vordergrund. Plötzlich ist Alan nicht mehr der unbeholfene kleine Bruder, sondern erteilt dem teeniehaften Walden Ratschläge in puncto Frauen. Kein Wunder dass dies zum Scheitern verurteilt ist. Charlie Sheen verlieh seiner Rolle einen gewissen Stil. Trotz tagtäglichen Alkoholexzessen, immer wechselnde Frauengeschichte und ein Mutterkomplex, wandelte Charlie Harper immer souverän auf der Sonnenseite des Lebens.

Lange wurde spekuliert wie Two and a half Men ohne Charlie Sheen weitergeführt werden soll. Dass Sheen prädestiniert für die Rolle des Charly Harper ist und im Prinzip nur sich selbst spielen muss, brachte der Sitcom ordentlich Publicity. Die Serie erzielte von 2005 bis 2008 die höchsten Einschaltquoten in den USA. Dies wurde von Sheens ausschweifendem Lebensstil nur noch begünstigt. Jede Woche hörte man von neuen Eskapaden, in die nicht selten junge Pornostars und Drogen involviert waren. Tatsächlich katapultierte ihn Two and a half Men direkt an die Spitze und machte ihn zum bestbezahltesten Schauspieler im amerikanischen Fernsehen. Die Fans verehrten ihn für sein exzessives Leben, das sich auch in der Serie zeigte.

Ashton Kutcher holt mit seinem Aussehen und seiner kindlichen Rolle bestimmt viele junge Zuschauer ins Boot. Allerdings hat das Konzept der neunten Staffel nichts mehr mit Two and a half Men zu tun. Charlie Sheen in seiner Paraderolle als ewiger Junggeselle war das was die Sitcom ausgemacht hat. Ashton Kutcher hingegen wirkt wie ein billiger Ersatz. In einer unabhängigen Serie würde die Rolle des unreifen Internetmilliardärs bestens funktionieren. Allerdings ist Two and a half Men ohne  Sheen zum Scheitern verurteilt.

Es macht vieles einfacher, aber nichts leichter.

Menschen kann man nicht so leicht ersetzen. Der Geruch, das Lachen, die Berührungen. Nichts ist vergleichbar mit der Handschrift dieses einen besonderen Menschen.

Man kann es sich leicht machen. Erinnerungen verdrängen oder versuchen geliebte Menschen zu ersetzen. Doch niemals wird das einen befriedigenden Ersatz darstellen.

Jeder Mensch ist etwas besonderes und kann durch nichts und niemanden ersetzt werden, auch wenn viele das glauben. Man kann eine ähnliche  Person finden, aber niemals einen würdigen Ersatz. Jeder der sich etwas anderes vormacht lügt.

Alle Tränen dieser Welt bedeuten nichts, wenn man sie nicht ehrlich meint.

Es gibt zwei Arten von Menschen. Die die sich voller Begeisterung in neue Dinge stürzen, oftmals viel zu übereilt und diejenigen die zögern. Meistens solange bis die Chance an ihnen vorbei gezogen ist.

Doch warum ist das so? Wieso fällt es den einen so leicht sich auf neue Dinge einzulassen und die anderen sperren sich dagegen? Eine handfeste Antwort auf diese Fragen wird es wohl nicht geben. Auch welche der beiden Eigenschaften besser ist, lässt sich nicht so leicht beantworten.

Denn die Begeisterung, die allzu schnell ausbricht verfliegt meist genauso schnell wieder wie sie erschienen ist. Haben sich die Zögerlichen allerdings erst einmal für etwas erwärmt, bleiben sie dabei. Hier stehen sich Wankelmütigkeit und Beständigkeit gegenüber.

Wer von den beiden würde den Kampf wohl gewinnen? Eigentlich keiner von beiden, denn es gibt viel dass sie voneinander lernen könnten, wenn sie nur wollten. Jeder Mensch sollte die Möglichkeit haben einmal in Schuhen des jeweils anderen  zu gehen.

Sich einfach einmal Hals über Kopf in etwas total Unüberlegtes stürzen, dass man im Nachhinein vielleicht bereut, aber danach nicht fragen müssen: „Was wäre gewesen wenn…?“. Oder einmal zögern obwohl es in den Fingern juckt. Vielleicht hätten wir mehr Verständnis füreinander. Vielleicht auch nicht.

Wie einige vielleicht wissen, teile ich meine bescheidene Wohnung mit zwei Kornnattern: Nagini und Caramel. Man mag es kaum glauben aber selbst bei Schlangen erkennt man deutliche Unterschiede in der Persönlichkeit. Caramel interessiert sich kaum für die Welt außerhalb des Terrariums. Selbst potentielle Möglichkeiten der Gefangenschaft zu entfliehen, nimmt sie kaum wahr. Wohingegen Nagini alles andere als begeistert davon ist, dass er sein Leben in einem Glaskasten verbringen muss. Scheint die Welt außerhalb des Terrariums für ihn doch viel interessanter zu sein.

Insgesamt hat Nagini es nun schon drei Mal, auf mir unbegreifliche Art und Weise, geschafft aus dem Terrarium auszubrechen. Kein Beschweren des Deckels, kein Abkleben mit Klebeband oder Verdichten jeder Ritze mit Heißkleber, konnte ihn davon abhalten zu entfliehen. Die längste Zeit die er verschwunden war, beträgt einen ganzen Monat.

Jeder Besuch von mir reagierte anders als ich erzählte, dass er sich in einer Wohnung aufhält, in der eine Schlange auf freiem Fuß unterwegs ist. Panische und hektische Blicke zu den Füßen und ungläubiges Kopfschütteln waren die häufigsten Reaktionen. Ob ich keine Angst hätte, dass die Schlange nachts zu mir ins Bett käme um mich zu beißen, war die wohl meist gestellte Frage. Doch eigentlich bestand meine größte Angst darin nachts im Dunkeln auf Nagini drauf zu treten. Hatte er es doch meiner Meinung nach nicht verdient einen solch grausamen Zerquetschungstod zu sterben.

Als ich schon fast nicht mehr daran geglaubt hatte ihn jemals wieder zu sehen, fand ich das erste Anzeichen, dass er noch irgendwo in meiner Wohnung unterwegs sein musste – Seine Haut. Für diejenigen die es nicht wissen: Schlangen häuten sich nach jeder Fütterung, da sie praktisch aus ihrer eigenen Haut herauswachsen. Allerdings war es bestimmt schon drei Wochen her, dass ich Nagini gefüttert hatte. Zum Glück können Schlangen so lange ohne Nahrung auskommen, ansonsten wäre er schon längst verhungert.

Doch dann kam der freudige Tag. Als ich eines Morgens die Haustür öffnete um zu lüften, lag er da. In die Ritze zwischen Haustür und Sockel hatte er sich sozusagen wieder in meine Wohnung hinein gequetscht. Draußen regnete und stürmte es etwas. Fast hatte es den Anschein, dass er von der Welt außerhalb seines Terrariums genug hatte und wieder zurück gekehrt war. Fröhlich setzte ich ihn wieder zu seinem Weibchen ins Terrarium. „Das sollte im wirklichen Leben auch mal passieren“, dachte ich mir. Der verschollene Mann ist vom Zigaretten holen wieder zurück gekehrt.

Widersinn

Posted: 28. November 2011 in Die Babe
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Du gehst an mir vorbei.

 

Zum Greifen nah.

 

Ich möchte meine Hand nach dir ausstrecken und dich zu mir ziehen.

 

Doch ich lasse dich ohne einen Blick passieren.

 

Lasse dich gehen.

Jeder kennt sie: Die Midlife Crisis. Die Phase in der sich Männer mittleren Alters vorzugsweise blonde Strähnchen einfärben lassen, sich einen kleinen roten Sportwagen zulegen und eine Affaire mit einer viel zu jungen Frau beginnen. Eigentlich kann man nur amüsiert den Kopf darüber schütteln.

Doch was passiert wenn man als 21-jährige junge Frau auch an einem solchen Phänomen leidet? Natürlich zieren meinen Kopf keine blonden Strähnen und einen roten Flitzer kann ich leider auch nicht mein eigenen nennen. Allerdings ist sie da und lässt sich nicht leugnen. Es wäre ja auch ungerecht, wenn nur Männer die Midlife Crisis für sich beanspruchen könnten.

Jeder Mensch befindet sich in gewissen Phasen seines Lebens in Situation in der Entscheidungen getroffen werden müssen.  „Wo stehe man in seinem  Leben? Bricht man zu neuen Ufern auf oder kehrt man zu Altbewährtem zurück?“  Fragen, die sich jeder Mensch über kurz oder lang in seinem Leben stellen muss.

Aus Angst die falsche Entscheidung zu treffen, treffen wir oftmals gar keine. Es wird sich schon alles wieder von alleine regeln…wenn man nur genug Geduld hat.  Doch eigentlich gibt es keine falschen Entscheidungen. Rückblickend betrachtet hat jede noch so dumme Entscheidung, die ich in getroffen habe, meinem Leben eine neue Richtung gegeben. Allein schon dafür hat es sich gelohnt.

Kein Gesicht war in der letzten Woche präsenter in den Medien als das von Dominique Strauss-Kahn. Der ehemalige Chef des Internationalen Währungsfonds war der aussichtsreichster Präsidentschaftskandidat der sozialistischen Partei in Frankreich. Von den Medien mittlerweile nur noch zärtlich DSK genannt.

Eins ist sicher – die Medien lieben solche Geschichten. Strauss- Kahn war ganz an der Spitze, einer der einflussreichsten Männer der Welt. Und nun? Sein Ruf wurde kräftig durch die Mangel gedreht, Gerüchte und Verschwörungstheorien häufen sich und die Medien reißen sich um jede noch so kleine Information. Ein großer Teil der Franzosen ist felsenfest von einem Komplott überzeugt. Schließlich wäre es ein leichtes ein Zimmermädchen zu bestechen und ihn in die Sex-Falle zu locken. Letztendlich gibt einfach zu viele, die von einem Sturz des Strauss-Kahn profitieren könnten.

Verschwörungstheorien gibt es immer und das zu häuf. Einerseits ist DSK auch kein ungeschriebenes Blatt. Bereits in 2008 wäre ihm eine Affäre mit einer IWS- Angestellten beinahe zum Verhängnis geworden. Doch reicht das aus, um einem Mann eine versuchte Vergewaltigung mit Freiheitsberaubung zuzutrauen? Wäre es doch ein leichtes gewesen, sich für kleines Geld eine Prostituierte kommen zu lassen. Was genau sich in dem Hotelzimmer zwischen dem 32- jährigen Zimmermädchen und Strauss- Kahn abgespielt hat, wird die Gerichtsverhandlung zeigen. Oder eben auch nicht. Trotzdem gilt für ihn so wie für jeden anderen Angeklagten auch die Unschuldsvermutung bis das Gegenteil erwiesen ist.

Zur Zeit schweigt Strauss- Kahn. Genauso wie seine Verteidigung. Am vergangenen Dienstag kochten Gerüchte über ein mögliches Alibi hoch. DSK soll zu der von der Polizei angegebenen Tatzeit gar nicht im Hotel, sondern mit seiner Tochter essen gewesen sein. Bestätigt wurde dies durch die Verteidigung nicht. Ende der Woche ist plötzlich davon die Rede, dass Strauss-Kahn einvernehmlichen Sex eingestanden habe. Die Verteidigung schweigt weiter.

Eins steht jedoch fest: Dominique Strauss- Kahns Karriere ist vorbei. Er wird den Tod am Pranger der Medien sterben und den Wahlkampf in Frankreich mit ziemlicher Sicherheit nur noch als Zuschauer erleben dürfen.

Eine kleine Schreibübung für den Lektürekurs. Ziel war es einen dreidimensionalen Charakter zu erfinden.

Anne-Liese Schmidt ist ein guter Mensch. Sie geht jeden Sonntag in die Kirche und kehrt samstagmorgens ihren Bürgersteig. Seit 40 Jahren ist sie mit ihrem Mann glücklich verheiratet. Ihre beiden Söhne sind bereits aus dem Haus und leben mit ihren Familien in der nahegelegnen Großstadt. Beide sind erfolgreiche Unternehmer und Anne-Liese Schmidt schwärmt gerne vor ihren Freundinnen über ihre perfekte Familie.

Jeden Mittwochnachmittag arbeitet sie bei der örtlichen Tafel und verteilt Lebensmittel an ihre bedürftigen Mitbürger. Diese Arbeit erfüllt sie mit Glück. Schon ihr ganzes Leben lang engagiert sie sich für soziale Projekte. Ihre Mutter hatte ihr als Kind bereits eingebläut: „Anne-Liese denk an die christliche Nächstenliebe. Wenn du was hast, gib es weg. Wenn du nichts hast auch.“ Nach diesem Motto hatte sie seitdem gelebt.

Ihr Mann Rudolf ist oftmals nicht so begeistert von ihrem ausgeprägten Helferdrang. „Meinst du nicht, dass du etwas übertreibst. Wir müssen doch auch gucken wo wir bleiben.“ Doch solche Einwände lächelt sie einfach gewinnend weg. Eigentlich hat er ja sowieso nichts zu sagen, der Rudolf.

Schon seit ihrer Hochzeit wohnen Anne-Liese Schmidt und ihr Mann Rudolf in Bibubabu. Beide sind bestens in die eingeschworene Dorfgemeinde integriert. Vor ein paar Tagen erblickte Bibubabu seit langer Zeit mal wieder neue Gesichter. Direkt gegenüber von den Eheleuten Schmidt zog ein neues Pärchen das leerstehende Haus ein. Die alte Dame, die zuvor dort gewohnt hatte war Anne-Lieses beste Freundin gewesen und sie war sehr traurig als sie starb. Umso neugieriger war sie natürlich als sie den Umzugswagen durch die Gardinen erspähte. „Rudolf, komm mal her. Da drüben ziehen neue Leute ein, das musst du dir ansehen!“ Rudolf kam langsam die Treppe herunter geschlurft und warf einen desinteressierten Blick durch das Fenster: „Ahja, die sehen nett aus.“, sagte er und ließ sich in seinen Fernsehsessel fallen. „Schau doch mal was diese Frau da anhat. Furchtbar. So kann man doch nicht rumlaufen. Dieser Rock gilt höchstens als breiter Gürtel.“, ereifert sich Anne-Liese. Rudolf verdreht genervt die Augen: „Lass sie doch. Immerhin kann sie es tragen, sie ist doch noch jung.“ Anne-Liese schürzt pikiert die Lippen und starrt weiter durch die Gardinen.

In den kommenden Wochen verlässt Anne-Liese kaum noch ihren Lauerplatz bei den Gardinen. Fast stündlich notiert sie Dinge, die sie an den neuen Nachbarn stört. Samstags wird die Straße nicht gekehrt, in der Kirche hat sie das junge Pärchen bis jetzt auch noch nicht gesehen und ständig sind die Rollladen unten. „Was machen die da nur?“, fragt sich Anne-Liese fast pausenlos. „Vielleicht drehen die da Pornos oder beten sie vielleicht sogar den Satan an, sowie wir es gestern im TV gesehen haben. So wie die rumläuft würde mich da überhaupt nichts mehr wundern. Rudolf was sagst du denn dazu?“, fragt Anne-Liese.

„Ich finde du solltest dich aus ihren Angelegenheiten raushalten. Das geht dich nichts an.“, erwidert Rudolf genervt. Was ist nur mit seiner Frau los? Nun kennt er sie schon seit so langer Zeit, doch so hat er sie in all den Jahren noch nie erlebt. In den kommenden Wochen wurde Anne-Lieses Verhalten noch merkwürdiger.

Eines Nachts wurde Rudolf von der sich langsam schließenden Haustür geweckt. Irritiert zog er sich seinen Morgenmantel an und ging die Treppe hinunter. Durch das Küchenfenster sah er seine Frau, ebenfalls im Morgenmantel, auf die andere Straßenseite laufen. „Oh nein. Was ist denn jetzt kaputt?“, dachte sich Rudolf und versuchte durch die Dunkelheit zu erkennen, was seine Frau dort drüben trieb. Anne-Liese huschte von Fenster zu Fenster, linste in den Briefkastenschlitz und schlich sich um das Haus herum in den Garten. Rudolf überlegte kurz, ob er seiner Frau folgen sollte. Entschied sich aber dagegen. Lieber blieb er hier in der Küche sitzen und wartete bis seine Frau von ihren nächtlichen Streifzug zurück kommt.

„Rudolf, wach auf!“, Anne-Liese klang ganz aufgelöst und rüttelte ihren Mann, der auf dem Küchenstuhl eingeschlafen war, wach. „Das sind eiskalte Mörder dort drüben. Ich schwör’s dir ich hab es mit meinen eigenen Augen gesehen. In dem Garten liegt ein riesiger Eispickel und eine Schaufel auf dem Rasen und daneben ist ein frisch ausgehobenes Grab.“

Verschlafen rieb sich Rudolf die Augen. Wo sollte das noch hinführen mit seiner Frau? „Ich weiß, dass die letzte Zeit etwas anstrengend für dich war. Legen wir uns doch einfach wieder ins Bett und morgen sieht die Welt schon wieder ganz anders aus.“, langsam wurde Rudolfs Frau ihm unheimlich. Woher kam der ganze Argwohn gegenüber den neuen Nachbarn? Und dass von der Frau, die ihm seit 60 Jahren endlose Vorträge über Nächstenliebe hält.

„Ich werde es dir beweisen. Du wirst es schon noch sehen. Alle werden es sehen.“, schrie Anne-Liese hysterisch und rannte mit wehendem Morgenmantel wieder aus der Tür. Diesmal folgte Rudolf ihr. Als er um die Ecke in den Garten der Nachbarn bog, war ihm schon etwas mulmig. Immerhin befand er sich nun auf fremden Privatbesitz. „Hoffentlich werden die nicht wach.“, dachte sich Rudolf. Wie sollte man schon erklären, was man mitten in der Nacht im Garten der Nachbarn treibt?

Rudolf konnte seinen Augen nicht trauen. Seine Frau stand mit wirr zerzaustem Haar und wehendem Morgenmantel im hinteren Teil des Gartens und hob mit einer Schaufel ein Loch aus. „Schau nur Rudolf. Ich hab’s dir doch gesagt. Da ist eine Leiche begraben ich seh‘ schon den blauen Müllbeutel.“, kreischte sie. In den oberen Stockwerken ging Licht an. Rudolf verfiel in blanke Panik. „Komm schon Anne-Liese. Lass uns hier verschwinden.“, rief Rudolf halblaut und eilte zu seiner Frau herüber und riss an ihrem Arm. Doch Anne-Liese ließ nicht locker. Mittlerweile hatte sie den blauen Müllbeutel freigelegt und hatte begonnen ihn mit einiger Mühe aus dem Loch zu zerren. Jetzt packte auch Rudolf die Neugier. Er half ihr mit seinem Schweizer Taschenmesser, das er immer bei sich trug, den unförmigen Müllbeutel aufzuschlitzen. Genau in dem Augenblick, als sich der Inhalt ihnen preisgab, ertönte hinter ihnen eine Lautsprecherdurchsage. „Hier spricht die Polizei. Wir wissen, dass Sie sich im Garten aufhalten. Drehen Sie sich mit erhobenen Händen herum.“ Beide erstarrten und drehten sich langsam um. Vor ihnen stand ein riesiges Einsatzkommando, wie es Bibubabu in seiner langen Geschichte, wohl noch nie gesehen hat. Die Polizisten stürmten auf das Ehepaar zu und drückten es zu Boden. „Die kranken Freaks haben einen toten Hund ausgegraben. Schau mal Fred.“, sagte ein Polizist zu seinem Kollegen. Mittlerweile war die ganze Nachbarschaft auf den Beinen und starrten die Schmidts entgeistert an, als diese mit Handschellen abgeführt wurden. Beim Einsteigen in den Streifenwagen sah Rudolf, dass die neuen Nachbarn verängstigt durch den Polizeibeamten durchschauten. Er schämte sich. Kurz vor dem Wegfahren hörte er einer seiner Nachbar sagen: „Also von denen hätten wir sowas nie gedacht!“

…und ich liebe sie.

Ganz bescheiden liegt sie zu Beginn der Nacht an meiner Seite. Dank ihr ist es noch wärmer in meinem Bett und ihr Schnurren lässt mich schnell einschlafen. Nach ein paar Stunden werde ich wach. Ich liege am äußersten Rand des Bettes… ohne Bettdecke. Ich ziehe ungeduldig und müde an ihr, doch die Decke leistet Widerstand. Ich drehe mich um und sehe dass die Terroristin sich trotz ihrer relativ kleinen Körpergröße fast über das komplette Bett ausgestreckt hat und selig schnarcht. Ich begnüge mich frierend mit einem kleinen Zipfel Decke und versuche  weiter zu schlafen.

Ein paar Stunden später kommt wieder Leben in meine Wohnung, allerdings nicht durch mich. Isst da etwa jemand Chips direkt neben meinem Kopf? Mmh…das müssten dann aber extrem harte Chips sein. Und wer schlürft hier eigentlich so beim Trinken? Kein Manieren die Menschen von heute. Erleichtert „erobere“ ich die Decke zurück und kuschel mich ein bevor dieser Platz wieder beansprucht wird.

Plötzlich sitzt sie auf mir und kitzelt mich mit ihren Schnurrbarthaaren. „Lass mich raus!“   „Nein…ich will nicht!“ Ein aussichtsloser Kampf…ich verliere ihn jede Nacht. Ich verkrieche mich unter der Decke. Eine Pfote folgt mir und angelt nach meinem Kopf. Lange bekomme ich so keine Luft, deswegen muss ich früher oder später die Decke hochheben, sie weiß das und sie wartet. Irgendwann gebe ich dann auf und wanke schlaftrunken zur Wohnungstür. Sie verschwindet in der Nacht. Bis in ein paar Stunden, denke ich mir und so wird es auch sein, es ist jede Nacht so.

Plötzlich wecken mich komische Geräusche.  Also wirklich! Die Nachbarn könnten um diese Uhrzeit echt mal ein bisschen rücksichtsvoller sein! Ich hebe meinen Kopf. Die Terroristin sitzt vor meinem Fenster und verlangt Einlass. Trotz der Strapazen der Nacht bin ich froh, dass sie wieder da ist und räume bereitwillig  „ihren“ Platz in meinem Bett.

Kinder: Von niemandem könnte man mehr lernen. Oftmals sollte man sich ein Beispiel an ihnen nehmen, manchmal auch nicht. Deutschland mangelt es an Kindern, anderswo bekommen Menschen mehr Kinder als sie sich leisten können.

Bis vor kurzem galt Kinderlärm noch als Lärmbelästigung, gegen die man zur Not klagen konnte. Typisch Deutschland – anstatt sich darüber zu freuen, dass wir von lachende und spielende Kinder umgeben sind, empfindet wir sie als störend. Wann haben wir verlernt das Gute in Dingen zu sehen? Geht es uns schon so gut, dass wir an der Stelle angekommen sind, an der wir uns ausschließlich über Nichtigkeiten aufregen können? Ich selbst bin kein großer Kinderfanatiker. Doch würde ich lieber jeden Tag von hunderten glücklichen, spielenden und lauten Kindern umringt sein, als ständig in die Augen von hungernden und bettelnden Kindern schauen zu müssen.

Kinder lieben bedingungslos, sprechen ohne zu denken und unterdrücken ihre Gefühle nicht. Im Laufe unseres Lebens lernen wir unsere Gefühle und Emotionen zu verstecken. Manchmal auch zu unterdrücken. Ein klarer Fall von Selbstschutz – niemand möchte verletzt werden.Wir ziehen uns in unser Inneres zurück und haben Schwierigkeiten anderen zu vertrauen.

Ganz anders war das noch bei der ersten großen Liebe. Niemals vergisst man sie komplett. Die Liebe die man danach empfindet ist nicht mehr die Gleiche. Sie ist kontrollierter, vorsichtiger, einfach anders. Kinder lieben bedingungslos – sie haben den Schmerz einer unerwiderten Liebe oder die Enttäuschung einer Trennung noch nicht erfahren.

Sieht ein Kind etwas dass ihm gefällt, zeigt es dies. Wie oft sehen wir jemanden, der etwas besitzt was uns gefällt? Wie oft gehen wir tatsächlich zu dieser Person hin und sprechen ein Kompliment aus? Meistens nicht. Lieber versuchen wir das Gefühl des Neids zu verstecken, um uns keine Blöße geben zu müssen. Wäre es nicht viel schöner ein negatives Gefühl in ein Positives zu verwandeln, indem man der anderen Person eine Freude macht?

Wäre die Welt nicht viel schöner, wenn wir sie durch die Augen eines Kindes betrachten könnten?!